La Palmas Nordwesten

Schroffe Küste und Piratenstadt:
Tijarafe bis Santo Domingo

Vom Mirador de El Time mit seinem Blick auf Los Llanos und Tazacorte geht die Reise weiter nach Norden. 

Aus Städten werden kleine ausgestorbene Dörfer und schroffe Felsen lösen das Landschaftsbild des Südens mit seinen zahlreichen Bananenplantagen ab. Die Straße führt kurvenreich durch eine Schlucht nach der anderen und die wenigen Stichstraßen zur Küste warten auf kleine Entdeckungs-Abstecher. 

Das Wetter kann sich hier manchmal schlagartig verändern. Schien eben noch die Sonne, fährt man eine Minute später plötzlich durch eine dicke Wolke.

Touristen trifft man in dieser Gegend kaum noch an – dafür den ein oder anderen Aussteiger oder Palmero, der seinen Kaffee an einem einfachen Straßenbistro schlürft. 

Tijarafe

Tijarafe ist eines der kleinen Dörfchen auf dem Weg nach Norden. Wenn man nicht aufpasst, ist man hindurch gefahren, ehe man sich versieht, denn beim Vorbeifahren wirkt es als nicht viel mehr als eine Ansammlung einiger Häuser links und rechts der Landstraße. Doch ein kleiner Stopp an der Kirche “Parroquía de Nuestra Señora de Candelar” lohnt sich. Wie ausgestorben steht der kalkweiße Kirchturm inmitten einiger pittoresken Häuser und einem kleinen Kirchhof mit alten Bäumen. Von hier aus kann man den Blick über die umliegende Landschaft und Häuser schweifen lassen, die mit ihren flachen Dächern beinahe ein bisschen marokkanisch aussehen.

Cerveceria Isla Verde

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Südlich von Tijarafe wartet ein alleinstehendes gelbes Haus auf einen Besuch: die Cerveceria Isla Verde. Auf der Terrasse mit Blick auf das weit unter einem liegende Meer lässt sich das leckere palmerische Essen entspannt genießen. Das Besondere ist allerdings die Bierkarte, denn hier gibt es palmerisches Craft-Bier, das nicht nur super schmeckt sondern auch noch unschlagbar günstig ist. Im Innern kann man noch einen Blick auf die Herstellungsgeräte werfen und die ein oder andere Flasche mit nach Hause nehmen. Lohnt sich! 

Barranco del Jurado

Highlight in Tijarafes Umgebung ist in jedem Fall die Schlucht Barranco del Jurado, die von beiden Seiten erkundet werden kann – und sollte! 

Südlich der Schlucht befindet sich der Mirador del Barranco del Jurado, ein kleiner Schotterparkplatz für maximal 3 Autos. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick in die Schlucht, auf das Meer und einige Bananenplantagen Richtung Süden. 

Einmal um die Schlucht herumgefahren, führt auch nördlich des Barranco eine Straße in schmalen Kurven Richtung Küste zu einem recht großen Parkplatz. Dort wartet ein kleiner “Berg” (eine Felserhebung) darauf, erklommen zu werden um mit einem grandiosen Blick belohnt zu werden. 

Richtung Norden kann man bereits einen kurzen Wanderweg ausmachen, der zum nächsten Ziel führt. Doch hierfür geht es erst nochmal zurück ins Auto und die Serpentinenstraße weiter hinab bis zu ihrem Ende. 

Prois Candelaria

Vom Parkplatz führt ein kurzer, etwa 10 minütiger Fußweg hinab zur Küste. Auf dem Weg entdeckt man die ein oder andere Tür, die eine Höhle im Fels verschließt und daraus ein Zuhause macht. So ganz ohne Fenster wäre das ja nicht so meins, aber kühl ist es da in jedem Fall. Manche der Höhlen werden wohl als Bodegas genutzt (eine Art Weinkeller, der nicht nur zum Lagern sondern auch zum gemeinsamen Trinken des guten Tropfens dient). Wer den Blick über die Felsformation der Schlucht schweifen lässt, wird vielleicht sogar einen Schafskopf erkennen… 

Am Wasser angelangt, führt der Weg um die Felsen herum und nach einer großen Kurve eröffnet sich der Blick auf “Prois Candelaria”, ein winziges verlassenes Fischerdorf in einer Höhle. Wie ein abgerocktes Santorin sind alle Häuser kalkweiß mit blauen Elementen. Das Meer schwappt in die Höhle hinein und bleibt in einigen Naturbecken als Pool zurück. Natürlich gibt es auch eine Rampe für Boote um hinaus aufs Meer zu fahren. Die ganze Szenerie erinnert an eine kleine Piratenstadt und die kindliche Phantasie läuft auf Hochtouren. Warum vermietet niemand diese Häuschen? Ich würde da sofort ein paar Tage verbringen! Einige Palmeros scheinen das allerdings zu tun, denn auch wenn wir die Stadt komplett ausgestorben vorfanden, so sah es doch so aus, als würden da regelmäßig Menschen wohnen.

An der vordersten Felskante gibt es sogar eine kleine Leiter hinab ins eiskalte und surreal türkisblaue Wasser. Natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, uns in die Wellen zu werfen. Beim Hinausklettern steigt der Adrenalinpegel ausnahmsweise mal mehr an als beim Hineinsteigen. Durch die hohen Wellen, die gegen die Felsen schlagen, variiert die Höhe der Wasseroberfläche an dieser Stelle nämlich um knappe 2 Meter. Je nachdem ob die Welle kommt oder geht, hängt die Treppe unerreichbar in der Luft oder wird beinah komplett überschwemmt. Man muss die Welle genau im richtigen Moment erwischen um sich von ihr an die rettenden Stufen führen zu lassen und nicht gegen die Felswand zu klatschen… Da lacht das Surferherz! 

Puntagorda

Mirador Barranco de Garome

Von der Piratenstadt am Barranco del Jurado geht es nach Norden Richtung Puntagorda. Auf dem Weg lohnt sich noch ein Blick vom Mirador Barranco de Garome, einem Aussichtspunkt direkt an der Straße. Die Schlucht ist nur wenige Autominuten vom Barranco del Jurado entfernt und sieht doch ganz anders aus. Anstelle von Kakteen und niedrigen Büschen wachsen hier große Nadelbäume. Wenn die Sonne am Nachmittag schräg in die Schlucht scheint, leuchtet der gesamte Wald in einem goldenen Licht…

Mercadillo Puntagorda

Ein bisschen weiter nördlich liegt Puntagorda, das sich vor allem für einen Marktbesuch lohnt. In einer Markthalle etwas außerhalb des Zentrums werden am Wochenende (Samstag 15 bis 19 Uhr und Sonntags 11 bis 15 Uhr) Lebensmittel aus lokalem Anbau und Kunsthandwerk verkauft. Bei Avocado-Preisen von etwa 1 Euro pro Kilo möchte man am liebsten einen zusätzlichen Koffer für den Rückflug dazubuchen um möglichst viele mitnehmen zu können. Denn die schmecken auch einfach tausendmal besser als das, was wir in unserendeutschen Supermärkten bekommen. 

Vor allem gibt es hier La Palmas Spezialität in zig verschiedenen Ausführungen: Ziegenkäse. Von trocken bis nass, geräuchert, gewürzt… Die Entscheidung fällt nicht leicht und am besten nimmt man eine bunte Auswahl mit und schlemmt sich in den folgenden Tagen durch die verschiedenen Sorten bis zum nächsten Marktbesuch. 

Café Finca Aloe

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Apropos Schlemmen. Wem nach dem ganzen Käse nach etwas Süßem ist, der wird auf dem Weg nach Norden sein Paradies entdecken. Im “Café Finca Aloe” mitten im Nirgendwo in einer weiteren Schlucht gibt es leckeren selbstgebackenen Kuchen  und fruchtige Smoothies. Das Café wird von einer deutschen Aussteigerin betrieben und ist gar nicht mal so leicht zu finden. Eine kleine Holperpiste hinab in die Schlucht und dann zu Fuß noch ein paar Minuten weiter vorbei an Wiesen und bunten Sträuchern. Irgendwann, wenn du denkst, du bist total falsch und auf einem Privatgelände, bist du kurz davor anzukommen: eine kleine Holzhütte, die halb in den Fels gebaut ist und deren Küche ein bisschen wie in einem Hexenhäusschen aussieht. Ein paar kleine Sitzgrupppen inmitten eines lauschigen Gartens, in dem man nichts hört außer der Natur. Eigentlich fehlt dort nur noch eine kleine Yoga-Schule… Vielleicht mach ich da mal eine auf. 

Restaurante Azul

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Nicht ganz so weit im Nirgendwo, aber mit ähnlich tollem Blick darf im “Restaurant Azul” gleich weiter geschlemmt werden. Der Name ist Programm, denn das Gebäude des Restaurants ist knallblau. Das Innere und die Veranda sind sehr hübsch eingerichtet und haben ein bisschen was von einem gemütlichen Strandhaus – sogar mit Kaminfeuer. Das Essen ist vorzüglich und das zu einem äußerst guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Santo Domingo

Ein Stückchen weiter wartet das Dorf Santo Domingo, auf das man bereits vom weit oben gelegenen Aussichtspunkt “Stadtwäldchen” hinab blicken kann. Das Dorf selbst mutet ein bisschen an wie eine Filmkulisse – und auch hier scheinen die meisten Komparsen gerade Mittag zu machen, denn die Straßen sind mal wieder wie leer gefegt. Umso besser kann man allerdings den weitläufigen Vorplatz der Kirche “Iglesia Nuestra Señora de La Luz” und die gegenüberliegende bunte Häuserfassade genießen. Einen mittäglichen Schwipps bei leckerem Essen gibt’s im Restaurant “El Bernegal”

Mirador de Santo Domingo

Einen letzen Erkundungs-Abstecher zur Küste gibt es noch – und der hat es nochmal in sich: ein kleiner Spaziergang hinaus auf die lange Felszunge, die ins Meer hinaus ragt, während der Wind einem um die Ohren peitscht. Unten rollen riesige Wellen heran, deren Kamm vom starken Wind zurück zum Horizont gepustet wird.

Während man da so ganz allein auf der schmalen Felskante hockt, spürt man die Naturgewalten rings herum und hat fast das Gefühl zu fliegen.

El Tablado

Ganz im Norden der Insel legten wir noch eine Mittagspause ein, nachdem wir den Vormittag auf dem höchsten Punkt der Insel verbracht hatten. Auf Googlemaps hatte ich dort, mitten im Nirgendwo, ein kleines Symbol für ein Restaurant entdeckt. Leider stimmten die Uhrzeiten im Internet nicht so ganz mit der Realität überein, und wir fanden uns vor verschlossenen Türen. Wenn bereits zuvor viele Ortschaften verlassen wirkten, so war dieses Fleckchen der Insel an Ausgestorbenheit nicht mehr zu überbieten. Es fehlten eigentlich nur noch die umherrollenden Steppenläufer wie in einem guten alten Western. 

Apropos  höchster Punkt der Insel: auf den Roque de Los Muchachos führt der nächste Reiseabschnitt!

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