Vanlife-Interview

mit Kah und ihrem Peugeot Boxer

Vanlife Kah

Hallo! 

Ich bin Kah aus Berlin, 32 Jahre alt, Interactiondesignerin, Solopreneurin und Achtsamkeitslehrerin.

Mein Van ist ein Peugeot Boxer von 2011 mit Tempomat, 155 PS und Sitzheizung…

Komfort statt chic – mit Hang zur Hässlichkeit.

Vanlife im Peugeot Boxer

Wann und vor allem wieso hast du dich dazu entschlossen, dir einen Van zu kaufen?

Ich habe die letzten Jahre einige Schicksalsschläge erlebt, die wohl ausschlaggebend für eine radikale Veränderung waren. Mein Bruder ist gestorben und kurze Zeit später habe ich eine Krebsdiagnose bekommen. Nach erfolgreicher Chemotherapie, Bestrahlung und OP habe ich meinem Körper 1 Jahr lang gute Dinge gegeben und bin am Ende dieses Jahres für 4 Monate in eine Jurte in der Uckermark gezogen. 

Letztes Jahr im April habe ich dann aus einem unglaublichen Glück heraus meinen Bus bekommen und den Sommer darin verbracht. Meistens war ich in der Uckermark an verschiedenen Plätzen unterwegs und habe viel über Gemüseanbau gelernt und bin dann immer mal wieder zum studieren nach Potsdam gefahren und habe auch vor der Uni geschlafen. Dort habe ich mein Studium im Oktober abgeschlossen. 

Gerade bin ich dabei meinen Bus so richtig auszubauen, was vorher nur provisorisch war. So habe ich nun genug Erfahrungen gesammelt um genau meine Bedürfnisse im Alltag zu kennen und den Ausbau dementsprechend anzupassen. Ich freue mich riesig über jeden kleinen Step, den es voran geht. Letzte Woche habe ich die Elektrik angeschlossen und verbaut und gerade gehts an die Isolierung – da nun milde Temperaturen sind steht dem nichts mehr im Wege! Juhu!

Erzähl von deinem Van-Umbau!

Im ersten Jahr habe ich noch meine Studienarbeit geschrieben. Das sah so aus, dass ich viel am Rechner saß und programmiert und geschrieben habe. Mein Thema war „medicine plants getting digital“ und ich habe in diesem Rahmen ein digitales interaktives Herbarium entwickelt, welches es dem Nutzer ermöglicht Heilpflanzen zu kategorisieren – die perfekte Arbeit um es mit Vanlife auf dem Lande zu verbinden. Ein großartiger Sommer!

Ich hatte also viel zu tun und habe den Bus bis dahin nur sporadisch eingerichtet. Als Bett habe ich einen Lattenrost mit Spanngurten an die Decke gehängt, damit ich es bei Bedarf hoch unter der Decke befestigen konnte um noch die Möglichkeit zu haben große Dinge zu transportieren. Alle anderen Möbel (Küche, Schränke, Aufbewahrung) bestanden aus Obstkisten, welche ich in der Gärtnerei fand, in der ich viel Zeit verbracht habe. Da es keine Verwendung mehr für sie gab, habe ich alles Mögliche daraus gezaubert. Alles war mit Gurten gesichert. Mir war es wichtig, dass alles modular war und aus Dingen bestand, die ich zur Verfügung hatte.

Du und dein Van: was bedeutet dein Camper für dich?

Mein Bus ist mein Zuhause.

Ich bin froh diesen Schritt gegangen zu sein und mache gerade die Erfahrung, dass überall mein Zuhause sein kann, wo ich bin und das macht mich sehr glücklich. Gerade in Verbindung mit einer Urban-Sports Mitgliedschaft bietet mir diese Art des Alltags genug Freiheiten und Möglichkeiten mein Leben zu genießen ohne auf essentielle Dinge verzichten zu müssen wie z.B eine Dusche wann immer ich möchte und wo immer ich gerade bin.

Gerade passt das Nomaden-Leben gut zu meinem Alltag und ich erforsche so die Orte rund um Berlin und hab immer alles dabei um auch mal länger zu bleiben wo es mir gefällt. Im Winter möchte ich dieses Jahr gerne eine größere Tour machen, wenn der Bus richtig ausgebaut ist. Dafür nehme ich mir diesen Sommer noch ausgiebig Zeit.

Mich fasziniert am Leben im Bus das Leben mit der Natur. Morgens aufstehen und erstmal gemeinsam mit meinem Hund vor dem Bus strecken und einen guten Ort zum pullern suchen, erfüllt mich mit Freude! Haha… Nein im Ernst. Es fühlt sich einfach gut an, zu entscheiden wo man gerne sein möchte und einfach loszufahren.

Dadurch, dass ich nur einen Computer und Internet brauche um zu arbeiten, ist es auch mehr oder weniger egal wo ich bin. So habe ich im Sommer in einer Biogärtnerei gestanden und mein eigenes Gemüse in Obstkisten angebaut (natürlich auch mobil) und diesen Sommer stehe ich auf einem Waldgrundstück in einem Gemeinschafts-Projekt von Freunden um den Ausbau umzusetzen.

Wie funktioniert dein Leben im Camper?

Ich habe gerade meinen Studienabschluss gemacht und bin nebenberuflich selbstständig. Ich bin Interfacedesignerin und habe bis zu meiner Erkrankung viel in diesem Bereich gewirkt. Jetzt kommt eine neue Komponente in mein berufliches Leben. Ich biete ab 2019 MBSR-Workshops zur Stressreduktion an. Im Oktober beginnt meine Weiterbildung und ab 2020 kann der Kurs sogar über die Krankenkasse finanziert werden! So möchte ich das Geschenk, das ich durch diese Krise bekommen habe nutzen, indem ich meine Skills miteinander kombiniere. Ab 2020 wird der Kurs auch Online verfügbar sein.

Letztes Jahr habe ich die Uckermark kennengelernt. Ich stand insgesamt an 7 Plätzen für länger und bin von dort aus dann immer auf verschiedene Kurztrips aufgebrochen. Berlin, Potsdam fürs Studium, verschiedene Seen in Brandenburg, Polen, Österreich, … ich hatte mobile Beete die dann mit mir umgezogen sind und eine Außenküche, welche dann am jeweiligen Standort aufgebaut wurde. 

Die Schattenseiten des Vanlife: was nervt dich manchmal daran?

In manchen Situationen ist es auch wirklich nicht so schön – zum Beispiel wenn man mal krank ist oder die Hündin läufig. Dann suche ich meistens einen geschützten Ort auf. Die Wohnung von meinem Bruder oder von Freunden bietet mir in solchen Momenten Schutz, was total schön ist. Manchmal ist es aber auch einfach doof, dann abhängig von anderen zu sein wenn man einfach nur Ruhe braucht.

Ich kann nicht ohne…: Deine wichtigsten und liebsten Reisebegleiter für deinen Van

Meine liebsten Reisebegleiter sind:

  • mein Hund,
  • mein Pullereimer (Goldwert wenn man keine Gaststättentoiletten mag und verhindert, dass man Nachts raus muss),
  • nichts ohne meine Wärmflaschen! Ja… richtig Mehrzahl für ein hohes Maß an Kuscheligkeit,
  • meine Mocca-Kanne für besten Kaffee mit Hafermilch.

Pech und Pannen: erzähl von deiner blödesten Situation von unterwegs

TOiTOiTOi… in meinem Jahr Vanlife hatte ich tatsächlich noch keine Panne – liegt bestimmt auch an meiner Karre, die mich bisher noch nicht im Stich gelassen hat

Lieblingsplatz: Wo treibt es dich am liebsten hin oder wo hat es dir am besten gefallen?

Ich stehe am Liebsten am Wasser. Fluss, See, Meer! Ich liebe es aufzuwachen und ins Wasser springen zu können! Ich stehe aber auch unglaublich gern hoch oben auf einem Berg und genieße meinen Kaffee morgens mit Aussicht. Hauptsache etwas abgelegen und in der Natur.

Ich mag es nicht wenn es dreckig ist und nehme von überall wo ich stehe und Müll sehe ein bisschen was davon mit. So versuche ich meinen Platz immer etwas sauberer zu hinterlassen als vorgefunden!  

Dein Tipp für alle mit Van, oder die, die es werden wollen

Vertraue auf deine Intuition und erfülle dir deine Träume! Warte nicht zu lange!

Mehr über Kahs Projekte erfährst du übrigens auf ihrer Webseite www.basilikumdesign.de oder auf ihrer Facebookseite.
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